„Ohne das Qualifizierungschancengesetz geht es nicht" – Match Pflege-Studie zeigt massive Nutzungslücke
Pressemitteilung: Berlin, 28. April 2026. Die Rekrutierung internationaler Pflegefachkräfte ist für viele Einrichtungen zur Notwendigkeit geworden, um die Versorgung aufrechtzuerhalten. Ausgerechnet bei der Finanzierung dieser Strategie zeigt sich jedoch eine massive Lücke: Ein zentrales Förderinstrument für Qualifizierung und Sprachkurse bleibt laut einer neuen Studie weitgehend ungenutzt.
Vier Wissenschaftler:innen der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit und der Hochschule Neubrandenburg haben die Untersuchung „Ohne das Qualifizierungschancengesetz geht es nicht" im Auftrag von Match Pflege (einem Netzwerk der Lingoda GmbH) durchgeführt. Ihr zentrales Ergebnis: 58 Prozent der befragten Einrichtungen bezeichnen die Förderung nach § 81 SGB III als wichtigen Faktor für ihre Rekrutierungsentscheidung. Dennoch haben 82 Prozent diese Unterstützung bisher nicht in Anspruch genommen.
Hintergrund: Das Qualifizierungschancengesetz
Das 2019 eingeführte Qualifizierungschancengesetz erweiterte die Förderung beruflicher Weiterbildung deutlich. Für Pflegeeinrichtungen ist es relevant, da die Kosten für Anpassungslehrgänge, berufsbegleitende Sprachkurse und Vorbereitungskurse zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse übernommen werden. Darüber hinaus können Zuschüsse zum Arbeitsentgelt während der Qualifizierung beantragt werden.
Zentrale Erkenntnisse
Die Studie zeigt eine deutliche Diskrepanz: Zwar planen 59,5 Prozent der Einrichtungen, in den nächsten fünf Jahren international zu rekrutieren, doch bisher haben nur 26,2 Prozent dies umgesetzt. Die Gründe für die geringe Inanspruchnahme der Förderung sind vielfältig und werden in der Studie detailliert analysiert.
Besonders betroffen sind kleine und mittlere Einrichtungen. Während große Kliniken oft über eigene Fachabteilungen verfügen, fehlen kleineren Pflegediensten die Ressourcen für komplexe Antragsverfahren.
Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass die vollständige Integration internationaler Pflegekräfte laut den befragten Experten bis zu drei Jahre dauert und eine kontinuierliche sprachliche, soziale und kulturelle Begleitung erfordert.
„Die Studie liefert erstmals fundierte Daten zur Nutzung dieser Förderung in der Praxis", erklärt Martin Niederauer, Leiter bei Match Pflege. „Sie zeigt nicht nur die Hürden auf, sondern auch konkrete Ansatzpunkte, wie die Inanspruchnahme verbessert werden kann."
Handlungsempfehlungen für die Praxis
Die Untersuchung enthält sieben Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Inanspruchnahme. Darunter: die Einführung eines vereinfachten Verfahrens speziell für kleine und mittlere Einrichtungen sowie die Benennung fester Ansprechpersonen bei der Bundesagentur für Arbeit. Ergänzend empfehlen die Autoren regionale Mentoring-Programme, bei denen erfahrene Träger unerfahrene Einrichtungen bei der Antragstellung unterstützen.
Studie kostenfrei herunterladen
Die vollständige Studie „Ohne das Qualifizierungschancengesetz geht es nicht" steht ab sofort zum Download bereit unter: https://eu1.hubs.ly/H0tyLWG0
Über die Methodik der Studie
Für die Studie wurden über 300 Leitungspersonen aus ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen befragt. Zusätzlich führten die Autoren – Anna Wendt (M.A.), Prof. Dr. Gundula Gwenn Hiller, Prof. Dr. Stefan Schmidt und Prof. Dr. M. Tuan Nguyen – 16 vertiefende Interviews und drei Gruppendiskussionen mit Entscheidungsträgern durch. Die Erhebung wurde durch Sekundärdatenanalysen der Bundesagentur für Arbeit ergänzt.
Autoren der Studie
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Anna Wendt (M.A.): Wissenschaftliche Lehrkraft an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA), Campus Schwerin, Forschungsschwerpunkt Fachkräftemigration
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Prof. Dr. Gundula Gwenn Hiller: Professorin für Beratungswissenschaften an der HdBA Mannheim, Expertin für interkulturelle Kommunikation
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Prof. Dr. Stefan Schmidt: Professor für Klinische Pflege an der Hochschule Neubrandenburg, Schwerpunkt Integration internationaler Pflegefachpersonen
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Prof. Dr. M. Tuan Nguyen: Professor für Zielgruppen und Instrumente am Arbeitsmarkt an der HdBA Schwerin, Forschung zu Erwerbsmigration
Über uns
Lingoda Healthcare bietet speziell auf die Anerkennung von internationalem Pflegepersonal ausgerichtete staatlich geförderte Vorbereitungskurse für die Kenntnisprüfung an. Match Doctors begleitet internationale Ärztinnen und Ärzte auf dem Weg zur deutschen Approbation.
Die dazugehörige Wissensplattform Match Pflege unterstützt seit 2021 bundesweit Gesundheitseinrichtungen bei der effizienten Anwerbung, Anerkennung und Integration ausländischer Pflegefachkräfte. Match Pflege hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Lösung des Fachkräftemangels in der Gesundheitsbranche aktiv mitzugestalten. Vernetzung und Aufklärung tragen zu einer nachhaltigen Branchenentwicklung bei und verbessern die Bedingungen für ausländische Pflegefachkräfte und ihre Arbeitgeber. Als Innovator engagiert sich Match Pflege für die gesamte Branche und bekämpft aktiv den Fachkräftemangel in der Pflege in Deutschland. Dafür bieten wir Netzwerkmöglichkeiten, Schulungen und individuelle Beratungen an.
Pressekontakt:
Cathérine Spelter / Savina Marinova
markengold PR GmbH
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