Die erfolgreiche Integration internationaler Pflegekräfte ist eine der wichtigsten Aufgaben der Gesundheitseinrichtungen in Deutschland. Um wertvolle Erfahrungen auszutauschen, neue Impulse zu setzen und erste konkrete Schritte für die tägliche Praxis mitzunehmen, kamen kürzlich zahlreiche Akteure der Pflegebranche – von Integrationsmanager:innen über Einrichtungsleitungen und Pflegefachkräfte bis hin zu Praxisanleitenden – zu unserem zweitägigen Match Netzwerktreffen zusammen.
Die Wahl der Location hätte nicht besser sein können: Das idyllische Landhaus am See in Garbsen bei Hannover bot bei herrlichem Maiwetter einen perfekten Rahmen für intensiven Austausch und kreative Arbeit direkt am Wasser.
Der erste Tag stand ganz im Zeichen des Kennenlernens, Netzwerkens und des offenen Erfahrungsaustausches. Nach der Begrüßung durch unser Team von Match Pflege, vertreten durch Tara, Nicole und Verena und unterstützt durch Kathleen von Lingoda Healthcare, wurde schnell klar: Niemand muss das Rad neu erfinden. Oft hilft schon die Erkenntnis, dass andere Einrichtungen vor exakt den gleichen Herausforderungen stehen und man sich gegenseitig unterstützen kann.
Um tief in die Praxis einzusteigen, ging es nach dem ersten Kennenlernen direkt über zu moderierten Thementischen, an denen die brennendsten Fragen rund um den Integrationsprozess in der Pflege intensiv diskutiert wurden:
Kommunikation und Sprache: Wie überwinden wir Sprachbarrieren im stressigen Pflegealltag, fördern das gegenseitige Verständnis und etablieren eine gezielte Sprachförderung, bei der wir alle mitwirken?
Familiennachzug: Welche bürokratische und emotionale Unterstützung brauchen internationale Kolleg:innen, um ihre Familien sicher nach Deutschland zu holen und welche Auswirkungen hat sie auf den Alltag und ihr Berufsleben?
Das etablierte Team mitnehmen: Wie schaffen wir Transparenz im Integrationsprozess, Akzeptanz bei den Kolleg:innen, bauen Ängste ab und stärken den Zusammenhalt im gesamten Team?
Soziale Integration: Neben der betrieblichen Integration ist die gesellschaftliche Ebene ein entscheidender Baustein. Wie gestalten wir ein herzliches Ankommen und vor allem eine langfristige Bleibeperspektive in der Region? Wo können wir uns regionale Unterstützung holen?
Ergänzt wurde die gemeinsame Arbeit durch einen praxisnahen Impulsvortrag von Leona Siemsen. Sie sprach über „Transkulturelle Kommunikation in der Pflege: Vom guten Willen zur professionellen Kompetenz“ undlieferte wertvolle Denkanstöße für den Praxisalltag: Guter Wille allein reicht oft nicht aus – es braucht eine kultursensible und empathische Haltung, um Sprachbarrieren abzubauen und Vertrauen im Team zu schaffen.
Neben einem Hintergrundwissen über die Vielfalt kultureller Prägungen und gezielter Weiterbildung über interkulturelle Sensibilisierung ist vor allem die Fähigkeit zur Selbstreflexion entscheidend. Nur wer die eigenen Prägungen hinterfragt, kann Missverständnisse im Praxisalltag nachhaltig vermeiden. Das wichtigste Learning dabei: Anstelle von starren Kulturschablonen muss immer das einzelne Individuum im Vordergrund stehen. Verhalten ist schließlich nie allein „kulturell“ bedingt, sondern das Zusammenspiel einer ganz einzigartigen Person in einer konkreten Situation.
Als wunderbarer, aktiver Ausgleich nach den intensiven Arbeitsphasen stand am späten Nachmittag optionales Yoga mit Nicole auf dem Programm. Einige nutzten die Möglichkeit, sich bei achtsamen Bewegungen und Dehnübungen zu sammeln, um den Kopf nach den vielen Eindrücken wieder frei zu bekommen.
Nach einer kurzen Pause ging es dann über zum gemeinsamen Abendessen mit Blick ins Grüne: In ungezwungener Atmosphäre wirkten die Diskussionen des Tages zwar noch spürbar nach, machten aber auch schnell Platz für lockere Gespräche und viel Lachen, sodass der Abend in vertrauter Runde ausklang.
Am nächsten Tag starteten wir direkt mit voller Energie. Mit den frischen Eindrücken und dem wertvollen Vorwissen aus den Diskussionen des Vortrags im Gepäck ging es nun ganz gezielt in die thematischen Workshops, um tief in spezifische Praxisfragen einzutauchen.
In drei parallelen Intensiv-Workshops erarbeiteten die Teilnehmenden praxisnahe Lösungsansätze:
Diversity und Antirassismus in der Pflege (Maziar Taymoorzadeh): Hier wurden Kompetenzen weiterentwickelt, um Diskriminierungsmuster im Gesundheitsbereich frühzeitig zu erkennen und abzubauen.
Klar anleiten – sicher begleiten (Kathleen Heyer): Ein Workshop voller handfester Werkzeuge für eine strukturierte Kommunikation und die gezielte Lernstandförderung im Anerkennungsprozess für ausländische Pflegekräfte.
Zwischen Befremdung und Vertrauen (Verena Peine & Tara Käsmeier): Das Team von Match Pflege erarbeitete mit den Teilnehmenden, wie aus Momenten der Irritation im Praxisalltag echte Lernchancen werden und wie das Vertrauen in internationalen Pflegeteams nachhaltig wächst.
Die intensive Arbeit in den Kleingruppen brachte wertvolle Kernbotschaften hervor, die wir nun direkt mit in unsere tägliche Arbeit einfließen lassen.
Ganzheitlicher Blick: Kultur darf niemals als einziger Faktor herangezogen werden, um das Verhalten von Menschen zu verstehen. Ein vertrauensvolles Miteinander gelingt, wenn wir Verhalten immer als ein Zusammenspiel aus Person, Situation, Institution und Kultur betrachten.
Reflexion und Dranbleiben: Der bewusste Umgang mit eigenen Vorurteilen ist der Schlüssel für eine wertschätzende, von Vertrauen geprägte Zusammenarbeit. Ein zentraler Impuls der Teilnehmenden lautet hier ganz klar: „nicht aufgeben“ und „dran bleiben“!
In einer abschließenden digitalen Live-Umfrage wurde unter anderem deutlich, welche Impulse am stärksten im Gedächtnis geblieben sind: Die Begriffe „Austausch“, „Kommunikation“, „mehr Gespräche führen“ und „klar anleiten“ standen dabei ganz weit oben.
Das Netzwerktreffen 2026 hat eines bewiesen: Erfolgreiches Integrationsmanagement lebt vom kontinuierlichen Austausch innerhalb der Einrichtung und über die eigene Einrichtung hinweg. Auch wenn uns die täglichen Herausforderungen verständlicherweise oft intensiv beschäftigen, hat das Treffen vor allem gezeigt: Wir sind bereits auf einem richtig guten Weg und sehr vieles gelingt schon heute – besonders dann, wenn wir uns nicht nur als Begleitende, sondern als aktive Mitgestalter:innen im Integrationsprozess begreifen.
Auf die Frage, wie sie das Event in einem einzigen Wort beschreiben würden, antworteten die Teilnehmenden: „informativ“, „inspirierend“, „bereichernd“ und einfach „super“! Dieses durchweg positive Feedback spiegelte sich auch in den Stimmen vor Ort und den Reaktionen in den sozialen Netzwerken wider:
Dank der perfekten Mischung aus Fachwissen, intensiver Diskussion und zielgerichteter Arbeit im Landhaus am See nehmen wir konkrete Methoden, neue Kontakte und viel Motivation mit nach Hause.